Junghund kann nicht ruhen

  • Hallo zusammen, wir haben seit einer Woche eine fast 6 Monate junge Labradoodle Hündin zuhaus. Die ersten Tage waren für alle ziemlich stressig, denn sie lebte noch beim Züchter und kannte nichts - keine Leine, keinen Straßenverkehr, keine Treppen, kein Alleinsein. Ich bin nicht ganz sicher, ob das der Grund ist, warum sie ein ziemlich unsicherer Hund ist oder ob wir etwas falsch machen. Die ersten Tage hatte sie im Hausflur Angst, inzwischen läuft sie endlich entspannt die Treppen und wir müssen sie nicht mehr heben (was sie auch nervös werden lies).

    Auch an der Leine kommen wir seit einigen Tagen voran und machen kleinere Spaziergänge, nachdem sie die ersten Tage nur im Garten war. Insgesamt also gute Erfolge.


    Was mir allerdings Sorgen macht- sie ist so dermaßen fixiert auf meinen Freund (bzw. mich, wenn er nicht da ist), dass sie überhaupt nicht zur Ruhe kommt. Schlafen tut sie nur, wenn wir auch liegen. Bei jeder Bewegung schaut sie hoch. Wenn wir aufstehen, läuft sie hinterher. In der ganzen Woche war sie vielleicht 2 mal alleine in einem Raum, da war sie mit ihrem Knochen zugange. Ich erkenne auch einige Anzeichen der Überforderung, sie gähnt oft, kratzt sich, geht mit den Pfoten über die Augen etc. Ich habe das Gefühl, sie ist permanent erregt, sie frisst nicht ihre Tagesration und geht selten selbstständig etwas trinken, da müssen wir sie meistens „erinnern“. Wenn wir gehen, hört sie auch auf, zu fressen, ergo stellt sich einer immer in die Nähe und verhält sich unauffällig. Damit geht einher, dass sie vermutlich zu wenig schläft. Ihr Kissen in einer ruhigen Ecke des Wohnzimmers sucht sie eher selten auf, meistens liegt sie auf dem Boden direkt bei uns neben der Couch. Wenn wir aufstehen oder etwas vom Couchtisch nehmen, ist der Kopf sofort wieder oben. Das Körbchen im Schlafzimmer nimmt sie gut an, dort sind wir halt nur nachts zum schlafen. Wenn sie mal tagsüber einschläft, traue ich mich kaum auf Toilette, um sie nicht zu wecken.


    Ich hab in diversen Foren und Artikeln nun unterschiedliches gelesen, einige raten zum Anleinen, einige dagegen, einige zur Box, andere raten wieder ab. Auch zum Ignorieren - hilft das auf Dauer? Oder schädlich für den Bindungsaufbau?

    Wie kann ich fördern, dass die kleine sich entspannt und auch mal erträgt, alleine im Raum zu bleiben? Wir würden gerne damit starten, Sie generell mal für 5-15 Minuten allein zuhause zu lassen, aber ich weiß nicht, ob das ihren Trennungsstress nicht noch verstärkt?




    Lieben Dank schon mal für Feedback!

    Einmal editiert, zuletzt von Elf ()

  • Erstmal herzlich willkommen! 🙂


    Entschuldige bitte, wenn ich erstmal was nicht so nettes schreibe.

    Ein ordentlicher Züchter war das sicher nicht. Höchstens ein Vermehrter. Bei einem Züchter hätte sie in den ersten 6 Monaten sowohl Leine, als auch Treppen und Straßenverkehr kennen gelernt.

    Dein Hund wurde leider in der Prägephase überhaupt nicht auf das normale Alltagsleben vorbereitet.

    Dass sie jetzt total überfordert und gestresst ist, ist also völlig normal. Ein Hund kann zwar ein Leben lang lernen, aber vieles wird jetzt schwerer und auch länger dauern. Es kann sogar sein, dass sie ein Leben lang unsicher bleibt.


    Ich würde so ähnlich vorgehen wie bei den Hunden, die aus den Auslandstierheimen kommen. Lasst ihr Zeit, erwartet nicht viel. Die einzigen Vorteile sind bei euch, dass sie anscheinend stubenrein ist und keine Angst hat, zu verhungern.

    Ich würde sie ehrlich gesagt stalken lassen. Irgendwie ist es doch logisch, dass sie sich ständig vergewissern muss, ob ihr noch da seid. Sie wurde aus ihrer kleinen Welt herausgerissen und in eine völlig fremde geworfen (aus Hundesicht).

    Stell dir vor, du würdest von jetzt auf gleich zu einem Naturstamm im Dschungel gebracht und dort allein gelassen. Du wüsstest nicht, was gefährlich ist, wo du etwas zu Essen usw. herbekommst. Die Sprache verstehst du natürlich auch nicht.

    Dann würdest du doch auch alles genau beobachten und aufpassen, dass die Leute nicht vielleicht ohne dich verschwinden.😉

    Mein Rat ist: Lasst ihr Zeit, Vertrauen zu euch zu fassen. Haltet möglichst einen sehr geregelten Tagesablauf ein.

    Und sucht euch bitte einen Trainer, der mit solchen Hunden Erfahrung hat.

    Ich gehe davon aus, dass es euer erster Hund ist?

    LG Petra mit Andy


    Mein Hund ist ein Dacia. Das Statussymbol für alle die kein Statussymbol brauchen... :grinning_squinting_face:

  • Erstmal herzlich willkommen bei uns.


    Ich kann mich meinen Vorschreiberinnen nur anschließen.


    Die Hündin kommt nicht von einem Züchter und kennt einfach nichts und hängt sich daher jetzt natürlich an euch und lässt euch nicht aus den Augen weil ihr die einzige Sicherheit in dem völlig neuen Leben seid.


    Lasst die Hündin erstmal ankommen und wartet noch bis ihr das Alleinsein trainiert - Wochen, vielleicht auch Monate.


    Ich würde auch am stalken erstmal nicht arbeiten. Ihr könnte euch aber trotzdem ganz normal in der Wohnung bewegen. Wenn ihr zur Ruhe kommt wie z.B. abends beim Fernsehen gucken dann kommt auch die Hündin zur Ruhe und holt sich den Schlaf den sie braucht. Sie kann aber im Moment noch nicht zur Ruhe kommen wenn ihr euch bewegt. Das kommt aber von ganz allein mit der Zeit wenn die Hündin die Erfahrung gemacht hat, dass ihr und damit die einzige Sicherheit, nicht verschwindet wenn ihr kurz den Raum verlasst.


    Bitte leint sie nicht an oder sperrt sie in eine Box.


    Stellt euch einfach vor die Hündin wäre ein 8 Wochen alter Welpe.

    Liebe Grüße von meiner "Männer-WG" und Selina


    Die Reise des Lebens in der Gesellschaft von Hunden ist wie eine Reise mit Engeln, Führern, Hütern, Hofnarren, Schatten und Spiegeln.
    Suzanne Clothier

  • Ich würde ihr auf keinen Fall beibringen, dass ich 24/7 verfügbar bin, um ihr dann in einiger Zeit beibringen zu müssen, dass ich das eben nicht bin.

    Ich weiß auch nicht, was gegen eine Box (Höhle) als Rückzugsort spräche, vorausgesetzt, man macht sie ihm "schmackhaft".

    Vielleicht "belauert" ihr den Hund, - was macht er, wie guckt er, frisst er, trinkt er... , und der Hund belauert euch.... schließlich muss er euch einschätzen lernen. Ich empfehle, mach den Hund nicht zu eurem Lebensmittelpunkt, die Bürde kann er nicht tragen. Setzt freundlich Grenzen (z.B. nicht mit zum Klo, nicht in die Küche...) und lasst euch nicht zu seiner Ressource machen, denn dann müsste er über euch wachen/ euch überwachen.

  • Hallo und Willkommen im Forum,
    ich finde auch, dass ihr zu hohe Erwartungen an das Hundekind habt. Das ist jetzt nicht negativ gemeint, aber man stellt sich das immer anders vor, als es dann tatsächlich ist. Die Faustregel für so einen Hund, damit er richtig, richtig angekommen ist und weiß: das ist meine Familie, ist ein halbes Jahr. In einer Woche kann man keinen Blumentopf vom Fensterbrett reißen.
    Überleg doch mal: der Junghund mit 6 Monaten war immer bei seiner Mama und den dort wohnenden Hunden, vielleicht auch noch bei ein paar Geschwistern, ein Umfeld, das er vom ersten Atemzug kennt. Seine heile Welt, die er bisher kannte.
    Dann kommen plötzlich so 2 nette junge Menschen zu Besuch und nehmen ihn einfach mit!

    Hundekinder denken "binär" An oder Aus, Gut oder Schlecht, Fressbar oder Bespielbar, Freund oder Feind, Tot oder Leben. Es gibt keine Zwischensequenzen. Wenn so ein Hund nun sein Zuhause verlassen muss, ist das erst einmal furchtbar für das kleine Wesen. Tod oder Leben?
    Die Eigenschaft, sich schnell anpassen zu können, um zu überleben, ist eine gute Eigenschaft. Aber die nimmt nicht die Todesangst. Und damit kämpft jeder Welpe oder Junghund die ersten Wochen.

    Was ich für die ersten Wochen bei so einem Hund für enorm wichtig halte ist ein total getackteter Alltag. Unsicherheit muss nicht immer am Züchter liegen, es gibt durchaus Hunde, die das vom Wesen her mitbringen, dann wird das auch nicht unbedingt sein Leben lang besser. Das sind Hunde, die von ihren Menschen dann viel Sicherheit brauchen. Zwang, wie Leine oder Einsperren ist fehl am Platz und kontraproduktiv. Da erzeugst Du nur weitere Verlassensängste.

    Ich würde versuchen geregelte Zeiten einzuführen. Beispiel: um 8 gibt es Frühstück, danach 1/2 Stunde Spaziergang, dann Ruhephase, um 13 Uhr eine Runde mit Spiel und Lerneinheiten, danach Ruhephase, 17 Uhr letzte große Runde mit Spiel und Lerneinheiten, danach Fressen und danach Kuschelzeit und Ruhephase. Nur so als Beispiel.

    Bei einem unsicheren Hund kann das super helfen, wenn er nach seiner inneren Uhr weiß, was am Tag kommt. In den Ruhephasen würde ich den Hund komplett ignorieren - auch Dein Freund! Keine leckerchen, kein Spiel, kein Streicheln, der ist für 1 Stunde überhaupt nicht da. So lernt er, sich in der Zeit hinzulegen und zu ruhen und auf die nächste aktive Phase zu warten. In der Ruhezeit: Spielsachen weg, nix zum kauen geben, einfach "Langeweile" erzeugen, nicht ansehen, nicht ansprechen.

    Ich weiß, das ist verdammt schwer, aber für einen unsicheren Hund enorm wichtig. Abschalten muss er. Schlaf ist extrem wichtig, denn nur in den Schlafphasen kann ein Körper/organe/Gehirn wachsen und heranreifen. In den Wachphasen gibt es kein Wachstum.

    Und bitte, lasst dem Hundekind Zeit! Nicht zu viel verlangen, es ist keine Maschine sondern ein Lebewesen, das gerade mit der enormen Lebensveränderung zurecht kommen muss. Niemand ist perfekt. Weder ein frischgebackener Hundehalter, noch ein Hundekind.

    Viel Spaß zusammen! Ihr wachst zusammen und packt das!

    LG Martina :grinning_face_with_smiling_eyes: und die Schmetterlinge :pfote:

    Einmal editiert, zuletzt von Wiedu ()

  • Mein Bruno kam mit 1,3 Jahren zu uns und kannte nicht viel.

    Also klempte er sich an meine Fersen und begleitete mich. Ich wollte auf Toilette -- gerne, aber unter Hundeaufsicht ! Ich wollte einen Schrank öffnen -- gerne, aber beim Schliessen des Schrankes bitte die Hundenase herausholen! Ich wollte Wäsche waschen -- gerne, aber bitte der Hund hilft bein Sortieren!

    Irgendwann wurde er es leid. Er wurde sicherer und fasst Zutrauen. Er merkte, dass er nichts verpasst und er mich nicht ständig begleiten muss, ganz von allein, da musste ich nicht trainieren.

    Grüsse von Susanne mit Bruno



    Nerversäge und Glücksfall --- auch Bruno genannt

  • Genau Martina, volle Zustimmung!

    Irgendwann wurde er es leid. Er wurde sicherer und fasst Zutrauen. Er merkte, dass er nichts verpasst und er mich nicht ständig begleiten muss, ganz von allein, da musste ich nicht trainieren.

    So war es bei mir auch immer Susanne.

    Wenn man sich ein "Baby" holt braucht man mindestens 5 Stunden Zeit pro Tag. Notfalls macht ihr mit euer Riesenbaby einen gemeinsamen Mittagsschlaf!

    Das Mäuschen braucht die Zeit von Euch, genau wie ein Menschenkind es bräuchte.

    Liebe Grüße
    Birgit



    "Dass mir mein Hund das Liebste sei, sagst du oh Mensch, sei Sünde; doch mein Hund bleibt mir im Sturme treu,


    der Mensch nicht mal im Winde!" (Franz von Assisi)

  • Ich würde ihr auf keinen Fall beibringen, dass ich 24/7 verfügbar bin, um ihr dann in einiger Zeit beibringen zu müssen, dass ich das eben nicht bin.

    Einem entspannten ausgeglichenen Hund, der eine vernünftige Bindung zu mir hat, kann ich recht einfach sehr viel beibringen.


    Dazu muss er aber erstmal die Erfahrung machen dürfen dass der Mensch sein sicherer Hafen ist und ihn in seinen Bedürfnissen wahr nimmt.


    Hinzukommt hier das Alter - mit 6 Monate könnte die erste sensible Angstpahse anstehen. Da würde ich auf keinen Fall eine nachhaltige Trennungsangst oder Bindungssörung riskieren.


    Beim Rest gehe ich aber weitesgehend mit.


    Ich würde den Hund mir einfach hinterher laufen lassen. Ihn aber auch nicht ständig beobachten. Grenzen würde ich nur setzen, wenn sie mir wichtig sind.

    (Hund in Bad und Küche wäre mir egal - Hund auf der Babydecke wäre bei mir Verboten)
    Struktur und Verlässilchkeit (dazu zählen auch feste Hausregeln und Grenzen) sind sehr wichtig damit der Hund euch einschätzen lernt.

    Aber "küsntliche" Grenzen - nur um irgendwas zu trainieren - halte ich für sinnbefreit.

  • Ich mag mich auch noch anschließen. Eine Woche ist ein Wimpernschlag in der Eingewöhnung. Und da er ja in seinem vorherigen Zuhause, Züchter will kann kann man das nicht nennen, nichts gelernt hat, würde ich ihn auch nicht überfordern.

    Lass ihn euch kennenlernen, hinterher latschen. Wenn du der Meinung bist, dass er total müde ist und gleich im Stehen umfällt, dann schaffe eine Situation, in der er ruhen kann.

    Das sind alles Sachen, die, wenn er sich erst einmal eingelebt hat, von alleine wieder ablegt, weil er merkt, dass nichts passiert, wenn ihr den Raum verlasst. Aber dafür braucht er erst mal, eben diese Sicherheit, das nicht passiert und ihr wieder kommt.


    Das alleine sein, würde ich noch lage nicht trainieren. Erst wenn er ein ganz normales Verhalten im Alltag an den Tag legt.


    Box kann man versuchen, aber so, dass er immer rein und vor allem raus kann.


    Wenn er nur futtert, wenn ihr dabei seit. Dann ist das zur Zeit so. Tüddel halt ein bißchen rum und tu so, als wenn du da gerade eh was zu tun hast. Un das kann man später dann entweder einfach lassen, oder abbauen.

    Liebste Grüße Susa und die elf Pfoten :red_heart:

  • Vielen vielen Dank für die Einschätzungen! Ja es ist nicht ganz einfach, den richtigen Weg zu finden. Und es ist auch nicht so, dass wir erwarten, dass sich das alles nach einer Woche legt, wir möchten einfach mal einen gesunden, ausgeglichenen Hund haben und dafür die besten Rahmenbedingungen schaffen. Mit Hundetrainern haben wir uns schon ausgetauscht, aber auch die haben alle einen unterschiedlichen Ansatz, wenn es darum geht, wann woran gearbeitet werden soll, um ihr die Gewöhnung zu erleichtern…

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