Beißvorfall mit Hund einer Freundin

  • @BlackCloud du hast schon mit allem recht, aber der Faktor "Freundin" darf nicht außer Acht gelassen werden. Das ist ähnlich wie bei meiner Geschichte, denn ich wollte den Hund der Schwester der Schwiegertochter nicht aufnehmen. Ich habe es auf Bitten unseres Sohnes getan, weil der Tod des Vaters der beiden Schwestern sie in eine Zwangslage gebracht hat. Ich war einfach zu gutmütig. Desgleichen mit der Tochter, die meinte, das alles im Griff zu haben. Wäre es der Hund eines Fremden gewesen, hätte ich abgelehnt und mich nicht breitschlagen lassen.
    Unsere Tochter wohnt inzwischen in ihrem eigenen Haus, sie nimmt weiterhin Pfleglinge auf, ist aber sehr vorsichtig und wählt aus. Ich mache es nicht mehr. Jedenfalls nicht, solange wir nicht weniger eigene Hunde haben.
    Der Unterschied zu @Luthien01s Situation ist, dass wir sehr viel Hundeerfahrung haben und trotzdem ist es passiert. Vielleicht auch, weil man sich zu sicher ist. Meint, man kann alles, aber dann merkt man sehr schnell, wie einem die Grenzen gesetzt werden. Deshalb bin ich auch sehr skeptisch selbsternannten Hundeexperten gegenüber. Oder auch Pferdeexperten, die noch nie in ihrem Leben einem von Grund auf verdorbenem Pferd gegenüberstanden, das einem nach dem Leben trachtet.


    Wie wir damit umgegangen sind? Das war sehr, sehr schwer. Seitdem habe ich dem posttraumatischen Belastungssyndrom eine andere Einstellung gegenüber. Die Schreie der Tochter haben mich noch lange begleitet. Selbst jetzt bricht mir der Schweiß aus, rast der Puls und ein Gefühl der Wut, des Hasses und Eile macht sich in mir breit. Nur die Zeit schafft es, diese Erlebniskette in den Hintergrund zu verbannen.
    Die Tochter benötigte medizinische Hilfe. Erst nach einem Jahr hat sie sich von den Tabletten gelöst, was man nicht von heute auf morgen tun kann. Nach zwei Jahren etwa konnte sie wieder über Peaches reden, aber nicht über den Vorfall. Ich kann mir gut vorstellen, was sie durchmacht, wenn ein Trigger sie in diese Situation zurück katapultiert. Aber sie ist stark.


    Vielleicht ist es dein Bruder auch. Oder er zeigt es nicht. Er wird es merken, wenn ein Hund sehr nahe auf ihn zukommt.

  • Sehe ich anders. Ich mache da keinen Unterschied zwischen Freund/Freundin und Fremde/Fremder. Gesunder Menschenverstand sollte immer vorhanden sein bei sowas. Und ehrlich gesagt, wenn man doch befreundet ist, verstehe ich erst recht nicht, warum man sich dann nicht die Mühe gemacht hat den Hund RICHTIG kennenzulernen und in seinem Zuhause einzuziehen während der Zeit ...

  • @BlackCloud in Ö (keine ahnung ob in D auch) war am Sonntag Vatertag. Es war niemand da zum Hüten des Hundes und ich habe gesagt ich könnte ihn höchstens mitnehmen weil das fix geplant ist, weiß aber nicht ob das für den Hund passt. Von der Besitzerin wurde das OK gegeben, ich hab halt gesagt es gibt einen Garten und hab mir in meiner Naivität vorgestellt dass das für ihn nach Eingewöhnung toll ist. Wir alle wissen was im Nachhinein passiert ist und in der Reflexion so wie der Hund ist war es fahrlässig. Aber es passiert immer wieder dass Hunde in neue Umgebungen kommen. So wie Rocky beschrieben wurde habe ich grundsätzlich kein ernstes Problem gesehen. Dass es für ihn stressig ist war mir klar - deswegen auch die Order an die Familie wird zunächst mal ignoriert und soll zur Ruhe kommen. Und deswegen auch die vielen mehrstündigen Ruhepausen wo er neben mir auch tagsüber schlafen konnte. Das mit dem Ignorieren, den Pausen, dem Brustgeschirr im Garten, das alles kam von mir. Auch diesbezüglich hatte ich keine Anweisungen. Mir ist durchaus bewusst dass es dumm und fahrlässig war und dass ich, hätte ich mehr wissen gehabt, Anzeichen hätte sehen müssen. Aber dass der Hund viel zu ängstlich und gestresst für sowas ist hätte die Besitzerin wissen und mir sagen müssen. Zumindest diesbezüglich nehme ich meine Verantwortung mit gutem Gewissen raus.

  • Sehe ich anders. Ich mache da keinen Unterschied zwischen Freund/Freundin und Fremde/Fremder. Gesunder Menschenverstand sollte immer vorhanden sein bei sowas. Und ehrlich gesagt, wenn man doch befreundet ist, verstehe ich erst recht nicht, warum man sich dann nicht die Mühe gemacht hat den Hund RICHTIG kennenzulernen und in seinem Zuhause einzuziehen während der Zeit ...

    es ist immer einfach über andere zu urteilen wenn man die Situation nicht kennt. Eben WEIL es meine Freundin ist habe ich nicht kategorisch abgelehnt sondern angeboten ihn mit zu nehmen damit sie fahren kann.

  • @Murmel o man da habt ihr ja Einiges durch. Ich wünsche deiner Tochter weiterhin alles Gute, sie scheint aber auf einem tollen Weg zu sein!


    und ja die gut Gutmütigkeit... Gerade bei Freunden will man halt helfen. Das rechtfertigt nichts, macht aber vieles verständlicher wenn man es im Nachhinein reflektiert.

  • @Luthien01dir ist aber schon klar, dass ich in keinsterweise DIR, sondern DEINER Freundin einen Vorwurf mache?!?!! Das habe ich ausdrücklich geschrieben!


    Deine Freundin weiß ja schliesslich nicht erst seit gestern, dass diese Hochzeit existiert und auf welches Datum sie fällt! Man hätte sich schon Monate vorher um eine Versorgung des Hundes kümmern können und auch müssen. Und das ist es, was mir so sauer aufstößt an der ganzen Geschichte.

  • @BlackCloud da hab ich dich wohl falsch verstanden. Daran merkt man wie angespannt und fertig ich noch bin.


    Und ja... ich will sie nicht in Schutz nehmen, aber der Hintergrund ist Corona. Sie und ihr Partner waren bis 10 Tage davor überzeugt dass sie nicht werden fahren können. Zack waren die Grenzen offen, das hat alles geändert. Ihr Partner wollte nicht dass sie den Hund mitnimmt (Rocky gehört ihr, der Partner ist erst vor einem guten Jahr dazu gekommen). Sie hat mir ggü. gesagt dass sie in dem Moment den Wunsch ihres Partners ohne Hund zu fahren über die Bedürfnisse des Hundes gestellt hat, was sie nie hätte tun dürfen. Es gab den Druck des Freundes, mich die sich gefreut hat (ich liebe Hunde, ich hab mich extrem gefreut auf die Tage mit ihm... war da sicher überschwänglich und das werfe ich mir jetzt auch vor) und sie die sich gedacht hat „wird schon gut gehen“...

  • @Luthien01, so hilfreich ein Forum wie dieses sein kann, weil man sich etwas von der Seele schreiben kann, und - im besten Fall - Verständnis und Unterstützung und Impulse zum Reflektieren und Dazulernen bekommt, so nicht-hilfreich ist es manchmal, wenn man nämlich nur noch in irgendwelchen Erklär-Zwängen und daraus resultierenden Selbstvorwürfen festhängt.


    Das, was dir bzw. euch passiert ist, war für mein Dafürhalten unterm Strich ein Unfall.
    Ja, deine Freundin hat fahrlässig den Hund - mit viel zu wenig Informationen -
    in deine Hände übergeben und ja, bei euch zuhause kam es dann aus Gründen... zu dem dramatischen Unglück.


    Du hast jetzt, glaube ich, so viel dazu gesagt bekommen, dass es nicht weiter hilfreich ist, sich noch mehr Gedanken zu machen, was wer wann hätte anders machen sollen, können oder müssen.
    Oder?


    Wie du schreibst, ist erst mal Abstand von der Freundin wahrscheinlich ganz sinnvoll, um zu gucken, wie es mit eurer Freundschaft weitergehen kann - und, ja, gesund werden müsst ihr jetzt.
    Eure seelischen Verletzungen durch das Ereignis müssen ja erst mal heilen und natürlich auch die körperlichen deines Bruders, dem ich gute Besserung wünsche!


    Wie begegnest du jetzt so vom Gefühl fremden oder bekannten Hunden?


    :red_heart: liche Grüße von Carola mit Lani :pfote:


    „If you choose to live with a dog please take the time to learn about dog behavior and their individuality and who they are and what they want and need ...“ (Marc Bekoff)

  • (Hervorhebung durch mich)


    Das ist ausgesprochen spannend, @Dieter. Das heißt also, ich kann in Österreich jederzeit quasi "alles" machen; ich muss nur im Falle des Falles die - obendrein umgekehrte - Beweislast durch nicht widerlegbare Gegenbehauptungen erschweren?


    Konstruieren wir einen einfachen Fall: Ich übernehme deinen Hund in Aufsicht. Du unterrichtest mich darüber, dass dein Hund äußerst gefährlich ist und nie von der Leine gelassen oder ohne Maulkorb laufen darf. Ich nicke brav; doch schon hinter der nächsten Hausecke lasse ich den Hund von der Leine. Es passiert, wie du es nennst, "ein Unglück". Daraufhin behaupte ich feierlich, du hättest mir nie irgendwas gesagt. Wie trittst du in Österreich den hiernach vorausgesetzten Beweis deiner Entlastung an? (Ich kann mir partout nicht vorstellen, dass alle tierhaltenden Österreicher ganze Keller voller Rückversicherungsdokumente haben. Allein die temporäre Abgabe in eine Tierpension oder an einen "Gassi-Gänger" würde demzufolge jedes einzelne Mal mehrseitige schriftliche Verträge voraussetzen.)


    Im Vergleich dazu mal das deutsche Recht:

    Zitat von BGB Deutschland

    § 833 BGB: Tierhalterhaftung Wird durch ein Tier ein Mensch getötet oder der Körper oder die Gesundheit eines Menschen verletzt oder eine Sache beschädigt, so ist derjenige, welcher das Tier hält, verpflichtet, dem Verletzten den daraus entstehenden Schaden zu ersetzen.


    § 834 BGB: Tieraufseherhaftung Wer für denjenigen, welcher ein Tier hält, die Führung der Aufsicht über das Tier durch Vertrag übernimmt, ist für den Schaden verantwortlich, den das Tier einem Dritten in der im § 833 bezeichneten Weise zufügt. Die Verantwortlichkeit tritt nicht ein, wenn er bei der Führung der Aufsicht die im Verkehr erforderliche Sorgfalt beobachtet oder wenn der Schaden auch bei Anwendung dieser Sorgfalt entstanden sein würde.

    Hier gibt es keine zwei Fragen. Sämtliche mir einfallenden und mir bekannten Eventualitäten sind abgedeckt.

  • Wie ich in Österreich Entlastungsbeweise antrete?


    Indem ich dem Richter das präsentiere, was da ist - da können eigene Aussagen sein, Zeugenaussagen oder ggf. schriftliche Vereinbarungen.


    In Österreich - wie in Deutschland auch - entscheidet der Richter nach freier Beweiswürdigung (§272 ZPO und § 14 StPO für Österreich, § 286 ZPO und § 261 StPO in Deutschland).


    Wie gesagt, in der Regel nach freier Beweiswürdigung. Richter können sowas.


    Merksatz 1. Semester: Bewiesen ist etwas dann, wenn der Richter es einem abnimmt.


    Im übrigen ist auch das deutsche Recht voller Fallstricke. Es ist oft streitig, ob es sich um ein Luxustier (Gefährdungshaftung § 833 Satz 1 BGB) oder ein Erwerbstier (Verschuldenshaftung § 833 Satz 2 BGB) handelt.
    Zudem stellt sich bei § 834 BGB oft die Frage, ob es sich um ein Gefälligkeitsverhältnis (ohne rechtlichen Bindungswillen) handelt (wenn etwa der Nachbar gelegentlich den Hund ausführt) oder ob das in der Norm vorausgesetzte Vertragsverhältnis vorliegt (etwa bei einem prof. Gassigänger).

    Viele Grüße
    Dieter


    Wenn es im Himmel keine Hunde gibt - dann will ich da nicht hin.

  • An diesem thread kann man sehr deutlich sehen, dass Hundehaltung verboten gehört, weil sie zu katastrophalen Schäden führt.

  • Da Och, will wollen doch mal keine "Werbung" für solche Seiten machen, oder? :winking_face: Gruß, Wulf könnte man sich zu dem SCHEISS informieren wenn man wollte... ich will nich'...

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