Hund lässt sich nicht anfassen

  • Hallo zusammen, bin neu hier und hoffe, jemand kann mir einen Ratschlag geben zu folgendem Problem:
    Vorab zu mir: ich habe seit 23 Jahren Hunde, habe gute Erfahrung vor allem mit TH-Hunden, misstrauische und ängstliche oder vernachlässigte... habe auch die Prüfung für Hundeführer absolviert.
    Das Problem ist kurz erklärt folgendes: habe direkt von Rumänien einen TH-Hund adoptiert. knapp 4-jährig, davon 2 Jahre eingekerkert, heisst, 1m auf 2m in einem Käfig! Nie einen Auslauf, keine Bezugsperson, also Kandidat "speziell + schwierig". Das war mir bewusst, dennoch wollte ich ihm eine Chance geben. Der Hund wurde misshandelt, er wurde "geschändet", also sexuell missbraucht, - ich musste eine Tierkommunikatorin einschalten, um alle Möglichkeiten auszuschöpfen - darum lässt er sich nicht anfassen. Das habe ich begriffen. Mittlerweile ist er seit 4 Monaten bei mir. Positiv ist: er macht nicht rein, er verhält sich ruhig im Haus und bellt auch nicht.
    Meine 2 weiteren Hunde sind ihm eine gute moralische Stütze, von ihnen lernt er viel. Ich kann ihn anleinen, da er ein Halsband trägt, welches dauernd an ist. Das geht. Alles andere, anfassen, streicheln, ihm die Afterkrallen, die viel zu lang sind, zu schneiden, geht nicht. EIn Besuch beim TA wäre absolut nicht möglich. Mit Medikamenten will ich nicht arbeiten, er muss von sich aus Vertrauen erlangen. Ob er das je haben wird, frage ich mich jedoch. So ein Fall hatte ich noch nie,d arum erbitte ich mir in diesem Forum eine sachliche, seriöse Antwort, ob so ein Hund überhaupt je wieder "gesunden" kann. Ich lasse ihn vorläufig in Ruhe, aber im Herbst wäre einerseits die Impfung fällig und auch ein Blutuntersuch. Hilft mir jemand? :thinking_face:

  • Finde es wirklich toll, dass du dich für einen Hund aus dem Tierschutz entschieden hast, noch dazu für einen Hund der scheinbar sehr schlecht Erfahrungen machen musste.
    In dem Tierschutzverein wo ich mithelfen haben wir sehr oft solche Fälle und andere wesensfeste Hunde sind aufjedenfall eine riesen Hilfe. Was wir in diesem Fall machen ist wirklich dem Hund Zeit geben und das sind oft viele viele Monate, wir haben auch Hunde gehabt die Jahre gebraucht haben. Ich würde ihn nie mit Zwang bedrängen oder ihn mit Muss zu etwas zwingen. Wenn er an dir vorbei geht lass mal die Hand runter hängen und vielleicht kommt er ja leicht an und du kannst ihn unauffällig berühren, das muss aber wirklich spontan passieren wenn er dir gar nicht so nahe kommt ist das auch OK. Man muss mit kleinen Schritten arbeiten, wir haben bei diesen Hunden meist ein Brustgeschirr und eine längere Leine/dünnen Strick am Geschirr so muss man ihm nicht so nahe kommen beim anleihnen oder wenn man möchte das er wieder kommt. Futter funktioniert oft auch sehr gut, also wenn der Hund vertrauen gefasst hat haben wir uns auf einen Stuhl gesetzt und einfach Leckerlis in einem weiteren Radius um uns geworfen sodass er uns mit etwas positiven verbindet.
    Wenn ein Tierarzt nicht unbedingt notwendig ist würde ich ihm das vorerst auch nicht antun, eine Impfung kann im Normalfall aufgeschoben werden und ist jetzt kein dringender Notfall. Wir haben uns ansonsten wenn sich der Hund echt an uns gewöhnt hat einfach die Spritzen vom Tierarzt geholt und es selber gemacht, ist natürlich nicht immer möglich. Ein Hausbesuch wäre auch eine Möglichkeit, da wäre er wenigstens in seiner gewohnten Umgebung, ist aber sicher auch ein riesiger Stressfaktor. Wir haben es auch so gemacht das jeder neue, unbekannte Mensch der gekommen ist etwas super leckeres dabei hatte (Wurst, Käse irgendwas das er wirklich gerne hat) so haben sie auch gelernt das fremde Menschen gar nicht so schrecklich sind. Das alles erfordert aber natürlich extrem viel Training, Nerven und Ausdauer... Es gibt hier keinen Zeitraum in dem man sagen kann wann es besser wird, leider... Das ist von Hund zu Hund so verschieden. Aber ich bin mir sicher das ihr das hinbekommt.
    Ich wünsche euch alles alles Gute.

  • Hi,


    es kann keine 100%ige Antwort geben zu deiner Frage. Denn jeder Hund ist individuell.
    Da werden auch keine Erfahrungsberichte weiter helfen - denn es kann bei deinem ganz anders sein.


    Was ich machen würde wäre:
    - einfach weiter machen, Grenzen wahren und dem Hund nur das Zumuten was für ihn tragbar ist.
    - bei dringenden gesundheitlichen Angelegenheiten, würde ich Mithilfe von Medis/Betäubung arbeiten. Also vielleicht einmal zum guten TA, Narkose geben und alles checken/machen was ansteht. Krallen, Blut, Zähne, ...


    Wenn die Afterkralle nicht fest mit dem Knochen verbunden ist (also quasi sinnlos an der Pfote schlackert, so wie bei meinem Arek) würde ich sogar in Erwägung ziehen, sie provisorisch zu amputieren


    Klar gibt es ein Risiko bei Narkose - aber manche Sachen müssen zum Wohle des Hundes eben gemacht werden. Und wenns dann nur mit Hau Ruck geht, stehen die Chancen noch schlechter, dass der Hund jemals Vertrauen aufbaut.
    Und ich bin der Meinung,
    Lieber ein oder 2 mal das Narkose-Risiko - dafür aber weiteren Vertrauensgewinn und irgendwann mal anfassen lassen -
    anstatt den Rest des Hundelebens ihm immer wieder negativerfahrungen zumuten zu müssen. Das ist für euch beide nicht gut. Und der Hund ist noch nicht alt.


    Du schreibst, zum TA wäre unmöglich.
    Da würde ich beim TA anfragen, was an "Sonderbehandlung" möglich ist und wie weit er den Angstzuständen des Hundes engtgegen kommen kann.
    Ich geh jetzt etwas blauäugig ran, aber vielleicht gibt es sogar Möglichkeiten den Hund in Narkose zu legen, ohne ihn aktiv bedrängen zu müssen. (ala, Schuss mit dem Betäubungsgewher wie man es bei Wildtieren/Zootieren macht?)

  • Was die Therapie oder das Zusammenleben mit solchen Hunden angeht kann ich nicht weiterhelfen.


    Wenn ihr aber unbedingt zum TA müsst, ginge nicht eine Gabe von SSedalin oder Ventraquil?

  • Ich fürchte das kann Niemand beantworten...... Hier gibt s nur eins...... Zeit, Zeit und nochmal Zeit, gepaart mit Geduld.....
    Hmmm ich steh ja TK s recht skeptisch gegenüber.......aber das ist nur meine persönliche Meinung....
    Und ich würde mich auch noch keinen Kopp machen, das ER im Herbst ne Impfung braucht.......
    Bis dahin kann s schon besser sein.......
    Ich würde Ihn einfach ganz in Ruhe lassen.... Futter hinstellen, anleinen läßt Er sich, das ist schon mal super...
    Ich würde im Moment soweit es geht den Tagesablauf immer gleich gestalten , ohne Ausnahme....
    Strukturierter Alltag hilft oft auch!!!!!


    Und ja ein Schuß mit dem Betäubungsgewehr halte ich für mehr als blauäugig, b.z.w ( noch) ziemlich unnötig!!!
    Ich drücke Euch die Daumen!!!!!


    LG MARTINA

  • An Lillie, LotterBommel, Bananenhamster undStarskySmilla:
    euch allen besten Dank. Ja, da sehe ich doch bei allen ein wichtiger Aspekt, der heisst: Geduld. Zeit lassen... hab ich mir auch schon gedacht...er ist ja noch nicht lange bei mir 4 Monate im Vergleich zu 2 Jahren Käfighaltung. In dem Sinne werde ich so weitermachen und ihn sicherlich nicht bedrängen. Bin beruhigt jetzt, mach ich offenbar das richtige..


    Gruess Rebeccca :smiling_face: :red_heart:

  • An Enzo: er weicht aus und springt weg, wenn mal ihn verfolgt in der wohnung wird er panisch. Wenn man ihn bedrängt, wie das beim Transport Rumänien - Schweiz in die Verladekäfige passiert ist, hat er in seiner Panik um sich gebissen. Dabei wurde er zu Boden gedrückt und mit beissfesten Handschuhen angefasst. Darum die Panik... sehr unschön und brutal... aber das ist ja jetzt Vergangenheit...

  • Rebecca, das wollte ich nicht hören (weil es für deinen Hund blöd ist) aber eine gute Bekannte arbeitet bei solchen Fällen sehr erfolgreich:


    Der Hund bekommt eine Box als Rückzugsort. Er trägt immer ein Geschirr mit Leine, damit du ihn kontrollieren kannst.


    Sie arbeitet dann mit Maulkorb und fasst den Hund auch an - anders lernt er nie richtig, dass anfassen ok ist.


    Das ganze geht nach dem Motto: Hier passiert nichts schlimmes, die Zeit ist rum. Doof werden gibts aber auch nicht. Zu jedem „falschen“ Verhalten gibt es Alternativverhalten, dass mit Futter aufgebaut wird.


    In die Box kannst du gerne einen Kong und/oder eine alte Decke (zum nuckeln) geben - beides, damit er daran den Stress abbauen kann.


    Das hört sich jetzt sicher erst mal total hart an, aber Mitleid bringt euch nicht weiter, auch mit ganz viel Zeit nicht. Die meisten Hund verstehen „so ist das hier jetzt“ sehr gut und nach kurzer Zeit sieht man deutliche Fortschritte.
    Du musst deinen Hund dabei nicht zwingen zu dir zu kommen, sondern gibst ihm mit der Einschränkung (mit der Leine zB einen Meter bei dir) die Chance zu lernen, dass nichts schlimmes passiert.


    Ich hoffe, man versteht es, sonst erkläre ich es gerne ausführlicher...

  • Moin!
    Ja. es ist eine komplexe Sache mit so einem Hund.
    Aaaaber, Du machst Dir offenbar Gedanken und wie ich finde auch in die richtige Richtung.
    Wie die anderen ja auch schon schrieben, einen Zeitraum bez. Besserung gibt es leider (oder zum Glück?) nicht, nur ihm versuchen immer und immer weiter Sicherheit zu vermitteln.
    Deine anderen Hunde sind mit Sicherheit ein sehr große Hilfe für den Hund und genauso auch für Dich.
    Diese Zeit, die noch nötig ist, ihm Sicherheit zu vermitteln kann und wird vermutlich auch noch ewig und drei Tage dauern, aber Du scheinst ja bereit zu sein, Dich darauf einzulassen und das ist schon mal die Voraussetzung schlechthin!
    Bei wirklich (!) nötigen TA Besuchen, wäre eine Möglichkeit evtl., Hundi zuvor zu sedieren. Also ihm ein Sedativum (z.B. Benzodiazepin Tbl. vom TA - Valium, also Diazepam z.B. wäre der Klassiker in diesem Bereich) zu geben. Natürlich nur in Absprache mit Eurem TA.
    Dann wäre er zwar etwas "breit", aber das würde verm. auch ein wenig dazu beitragen, das Hundi lernt, es ist alles nicht soooo schlimm.
    Die Zeit heilt ja alle (na gut, viele!) Wunden, meistens zumindest. Aber ich denke, man sollte auch versuchen, dass sich diese Panik nicht all zu sehr und dauerhaft in seinem Kopf fest setzt. Das ist erheblich leichter gesagt als getan. Das weiss ich wohl.
    Meine Hündin war auch ziemlich panisch als sie zu mir kam. Bei ihr hat sich das aber zum Glück mit der Zeit nahezu komplett erledigt. Zum Glück kann ich da nur sagen!
    Bei Dana hat nur die Zeit, gespickt mit endlos vielen positiven Erfahrungen, aber genau so auch mit den notwendigen, auch manchmal für sie unangenehmen Handlungen das Eis gebrochen.

    "Der Hund ist ein Ehrenmann; ich hoffe, einst in seinen Himmel zu kommen, nicht in den der Menschen." (Mark Twain) :Hund-smile:

    3 Mal editiert, zuletzt von tomstep ()

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