Mantrailing

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    • Hallo Gerald,
      sowohl auf diesem, als auch auf den letzten Bildern scheint es mir so, als ob ihr mit sehr langer Leine arbeitet. Kommt mir das nur so vor oder ist das so? Wie viel Leine gebt ihr denn raus, wenn´s für den Moment "einfach nur geradeaus" geht? Bist du nicht bissle arg weit hinter dem Hund um kleine körpersprachliche Signale noch sehen zu können? Zumindest wirkt es für mich auf den Bildern so, wie gesagt, kann natürlich auch täuschen :) .
      Viele Grüße von Heike und den Mädels
    • Zehn Meter. Und ich kann jede Nuance an Veränderung erkennen. :) Es ist, neben der eindeutigen Körpersprache, auch ein ganz spezifischer Zug an der Leine, der mich erkennen lässt, ob mein Hund sicher trailt.

      Und "einfach nur geradeaus" gibt es de facto nicht. Die zu suchende Person kann auf einer freien Fläche auch mittendrin die Richtung geändert haben. Der Hund muss auch die Möglichkeit haben, einen veränderten Trail jederzeit neu zu orten, sich neu zu orientieren. Das kann immer und überall notwendig sein. Kürzer nehme ich die Leine ausschließlich, wenn es die Situation zwingend erfordert, etwa beim Überqueren von Straßen u.ä. Ansonsten soll der Hund die Chance haben, selbständig zielgerichtet zu suchen. Jede Bewegung des Hundeführers oder auch begleitender Personen kann dazu beitragen, dass das Tier in seinem Verhalten mitbeeinflusst wird. Wenn ich also an einer Verhaltensänderung meines Hundes erkenne, dass der klare Trail an einer bestimmten Stelle nicht mehr eindeutig ist, bleibe ich bewegungslos stehen. Der Hund hat dann ausreichend Möglichkeit, sich zu orientieren. Sogar ein einzelner Schritt in eine bestimmte Richtung durch den Hundeführer könnte dem Hund (falsche) Signale geben. Am Ende ist es ja so: er hat die superfeine Nase, nicht ich. Ich habe keine Ahnung, wo die Zielperson ist. Und oft dachte ich mir schon, es müsse eine ganz bestimmte Richtung sein, und lag total daneben. ;)

      Wir arbeiten, im Gegensatz zu vielen anderen Trailingteams, ausschließlich nach den GAK9-Standards; unsere Niederlassung ist eine offizielle Trainings- und Ausbildungsstätte hierfür. Ich muss sagen, ich bin teilweise schockiert, was ich so von anderen Ecken und Enden mitbekomme, wenn es darum geht, wer sich mittlerweile aller z.B. "Mantrailing-Trainer" nennt. Auch die Idee, der Hund müsse "immer finden", ist da weit verbreitet. - Nein, muss er nicht. Was, wenn die vermisste Person an einer bestimmten Stelle etwa ein Auto oder ein öffentliches Verkehrsmittel bestiegen hat und es einfach keinen weiteren Trail mehr gibt? Es existieren diverse Gründe, dass eine Person nicht final lokalisiert werden kann. Wichtig ist, dass der Hund gut am Trail bleibt und nicht "irgendwo in der Pampa mit dem Hundeführer fantasievoll spazieren läuft". Dann kann ich dem Tier auch absolut vertrauen, wenn der Trail an einer Stelle einmal wirklich aus sein sollte - und es ist dennoch ein sehr guter Trail gewesen.

      Am Ende des Tages folgt die GAK9-Ausbildung, die unsere Hunde bekommen, genau demselben Muster, egal ob Militär-, Polizei- oder ziviler Rettungshund. Klar gibt es einzelne Unterschiede. So wird im Bereich der Straftätersuche (Exekutive und Militär) ein Mantrailinghund darauf ausgebildet, nicht bis zur Zielperson zu laufen, sondern diese auf gewisse Entfernung anzuzeigen. Danach übernehmen dann die bewaffneten Zweibeiner die Festnahme. Ein zivil eingesetzer Hund (wie in meinem Fall) kann und soll natürlich die Annäherung an die vermisste Person genauso zuverlässig anzeigen ("Proximity Alert"), darf aber im Anschluss den Hundeführer auch tatsächlich bis zu dieser Person bringen - denn in diesem Fall ist ja logischerweise nicht davon auszugehen, dass von solchen Personen Gefahr ausgeht.

      Bei uns trainieren übrigens auch Familienhunde aller erdenklichen Rassen zur einfachen, freizeitmäßigen Auslastung genauso wie Rettungshunde oder Diensthunde von Polizei, Feuerwehr und Militär.
      |Gerald :thumbup: | Tango :Hund-smile: |

      /Quickstep80
    • Deswegen hatte ich das "einfach geradeaus" ja auch in Anführungszeichen gesetzt, mir ist durchaus klar, dass jederzeit ein Richtungswechsel stattfinden kann :)

      Tja, da sieht man mal wieder, wie unterschiedlich dann doch die verschiedenen Trainer auch innerhalb eines - ich nenne es jetzt mal Trainings-Konzeptes - arbeiten.

      Ich habe selbst viele Jahre bei K9 getrailt, und wurde so ausgebildet mit der Leine zu spielen und mit der Leine zu arbeiten, rauslassen, reinholen, rauslassen, je nach Situation. Vor ner Entscheidung etwas einholen und Tempo rausnehmen um dann wieder in der Kreuzung rauslassen zu können usw. Ich bin aber nie mit den kompletten 10 Metern ausgefahren hinter meinem Hund hergelaufen, schon gar nicht in einer belebten Innenstadt, ich hatte immer noch etwas Reserve in der Hand um diese rauslassen zu können wenn es notwendig war um eben keine unnötige Spannung auf die Leine zu bringen bei plötzlich Richtungswechseln. Außerdem wurden wir im Straßenverkehr immer so flankiert, dass vor Kreuzungen eine Hilfsperson vorgelaufen ist um die Straße zu sichern. Oder wenn ich einfach nur an einer befahrenen Straße entlangtraile hätte ich ein schlechtes Gefühl wenn die 10 Meter draußen wären. Oder wenn plötzlich ein Auto aus ner Einfahrt kommt will ich auch nicht 10 Meter hinter meinem Hund sein, sondern näher dran um ihn kurz aus dem Trail rausnehmen zu können um dann wieder weiterzuschicken wenn die Situation es hergibt. Oder wenn ich so weit hinter meinem Hund wäre und er biegt auf einmal um ne Ecke, dann sehe ich ihn nicht mehr. Kann nicht abschätzen ob er hochkommt weil´s da nicht weitergeht, oder ob er das pendeln anfängt usw. Bis ich die 10 Meter aufgeholt habe und meinen Hund wieder im Blick habe, hab ich unter Umständen schon viele Signale übersehen.

      Aber klar, bei den Fotos von dir sieht es ja nach eher einsamen Gelände aus ohne Verkehr und anderen Leuten, da kann man das bestimmt eher machen mit so langer Leine als in der Stadt denke ich.

      Viele Wege führen zum Ziel... :)
      Viele Grüße von Heike und den Mädels
    • Völlig richtig, in unübersichtlichen Situationen sind zehn Meter Leine zu viel. Die von dir beschriebenen Beispiele passen da sehr gut. Auf der freien Fläche allerdings lasse ich dem Hund seinen "Spielraum". Wenn er gerade am Neuorientieren ist, etwa im Wald bei einer Richtungsänderung, werde ich natürlich auch die "ungenutzte" Leine etwas einholen - allein deshalb, damit der Hund in dem Moment, wo er die Fährte wieder aufnimmt, nicht einen plötzlichen Leinenruck erlebt (da ich in diesem Moment ja immer noch bewegungslos stehe, bis ich sicher sehe, dass er wieder "auf Kurs" ist), sondern die Leine langsam auslassen und mich dann selbst mit meiner Bewegung so anpassen kann, dass es ein harmonisches Weitergehen ist und kein abrupter Ruck. Gilt genauso für den Start.

      In Wahrheit müssen wir K9-Handler ohnehin wesentlich mehr lernen als der Hund. Der kann's ja instinktiv und muss "nur" begreifen, welche unterschiedlichen Arten es gibt, zu trailen (Untergrund, Länge, Liegezeit/Alter, Verleitungen,...). Wie so oft ist es für den Menschen durchwegs eine Herausforderung, den Hund wirklich perfekt zu lesen, so dass es am Ende eine tolle Teamarbeit wird.
      |Gerald :thumbup: | Tango :Hund-smile: |

      /Quickstep80
    • Quickstep schrieb:

      Wenn er gerade am Neuorientieren ist, etwa im Wald bei einer Richtungsänderung, werde ich natürlich auch die "ungenutzte" Leine etwas einholen - allein deshalb, damit der Hund in dem Moment, wo er die Fährte wieder aufnimmt, nicht einen plötzlichen Leinenruck erlebt (da ich in diesem Moment ja immer noch bewegungslos stehe, bis ich sicher sehe, dass er wieder "auf Kurs" ist), sondern die Leine langsam auslassen und mich dann selbst mit meiner Bewegung so anpassen kann, dass es ein harmonisches Weitergehen ist und kein abrupter Ruck.

      In Wahrheit müssen wir K9-Handler ohnehin wesentlich mehr lernen als der Hund.
      Sehr gut beschrieben! Wenn ich die Leine lose hängen lassen würde während sich der Hund orientiert würde er bei einem erneuten Anziehen einen Ruck kriegen - und manch ein Hund würde das als ausbremsen verstehen...

      2 Fragen: Was ist ein K9-Handler?
      Und 2: Ist es nicht immer so dass der Hundehalter mehr lernen muss als der Hund? :whistling: :D :D :D

      (Danke für die informative und tolle Diskussion!)
    • K9-Handler = (engl.) Hundeführer. "K9" ist ja lediglich eine homophone Abkürzung, da es ausgesprochen wird wie "canine" (Hund).

      Und ja: ich persönlich mag ja auch den Begriff "Hundetrainer" beispielsweise nicht wirklich - weil in der überwiegenden Anzahl an Fällen liegt der Lernbedarf des Menschen deutlich über jenem des Vierbeiners.
      |Gerald :thumbup: | Tango :Hund-smile: |

      /Quickstep80
    • Ah, jetzt kann ich das besser nachvollziehen wie du das meinst. Ich hatte es zuerst so verstanden, dass du immer mit langer 10 Meter Leine läufst, aber du arbeitest ja auch mit reinholen und rauslassen, damit es eben keinen Leinenruck geben kann, so wie ich das auch gelernt habe, also immer leichte Spannung auf der Leine.
      Ich kenne Hunde (meine Pepper gehört dazu), die das sehr verunsichert wenn die Spannung plötzlich weg wäre, die bleibt dann einfach stehen und dreht sich um weil sie sich auf einmal alleine fühlt.

      Und ich gebe dir Recht, im freien Gelände gebe ich auch deutlich mehr Leine als in der Stadt oder an einer befahrenen Straße, nur die kompletten 10 Meter gibt es eigentlich nur beim Ausarbeiten von Entscheidungspunkten.


      Quickstep schrieb:



      In Wahrheit müssen wir K9-Handler ohnehin wesentlich mehr lernen als der Hund. Der kann's ja instinktiv und muss "nur" begreifen, welche unterschiedlichen Arten es gibt, zu trailen (Untergrund, Länge, Liegezeit/Alter, Verleitungen,...). Wie so oft ist es für den Menschen durchwegs eine Herausforderung, den Hund wirklich perfekt zu lesen, so dass es am Ende eine tolle Teamarbeit wird.
      Dem ist nichts hinzuzufügen :D
      Viele Grüße von Heike und den Mädels
    • Quickstep schrieb:

      K9-Handler = (engl.) Hundeführer. "K9" ist ja lediglich eine homophone Abkürzung, da es ausgesprochen wird wie "canine" (Hund).

      Und ja: ich persönlich mag ja auch den Begriff "Hundetrainer" beispielsweise nicht wirklich - weil in der überwiegenden Anzahl an Fällen liegt der Lernbedarf des Menschen deutlich über jenem des Vierbeiners.
      Richtig. :whistling: Nennt ihr euch wirklich Canine-Handler statt Hundeführer? Cool!

      Ich würde gerne noch wissen wollen was die GAK9-Ausbildung ist.
    • Easy schrieb:

      Außerdem wurden wir im Straßenverkehr immer so flankiert, dass vor Kreuzungen eine Hilfsperson vorgelaufen ist um die Straße zu sichern. Oder wenn ich einfach nur an einer befahrenen Straße entlangtraile hätte ich ein schlechtes Gefühl wenn die 10 Meter draußen wären. Oder wenn plötzlich ein Auto aus ner Einfahrt kommt will ich auch nicht 10 Meter hinter meinem Hund sein, sondern näher dran um ihn kurz aus dem Trail rausnehmen zu können um dann wieder weiterzuschicken wenn die Situation es hergibt.
      Hättest du im Einsatz jemanden bei dir der die Straße sichert? Das müsstest du schon selber entscheiden wann du den Hund mal warten lässt.
      Und wenn sich Pepper alleine fühlt wenn die Leine nicht straff ist - das verstehe ich nicht. SIE macht den Job, niemand kann es besser als sie.
      Aber ich lerne noch. Und werde nie aufhören zu lernen und freue mich über Erfahrungen.
    • Wusan schrieb:

      Schade nur, dass ihr so mieses Wetter hattet.
      Es gibt kein mieses Wetter, es gibt maximal misese Kleidung für die jeweilige Witterungssituation. 8o

      Wildfarben schrieb:

      Nennt ihr euch wirklich Canine-Handler statt Hundeführer?
      Also, fixiert auf englische Bezeichnungen sind wir keineswegs. Auf unseren Warnwesten bzw. Jacken stehen auch durchwegs die deutschen Bezeichnungen ("Hundeführer", "Rettungshunde",...). Aber natürlich benutzen wir gelegentlich die originären GAK9-Bezeichnungen, die in manchen Fällen einfach zielgerichtet beschreiben, was wir denn da tun (z.B. "Tactical Tracker Team").


      Wildfarben schrieb:

      Hättest du im Einsatz jemanden bei dir der die Straße sichert?
      Im Realeinsatz ist man immer als Team unterwegs, mit entsprechender Warnkleidung. "Straße sichern" ist jedoch ein allgemeiner Begriff. Fakt ist, dass in den Straßenverkehr eingreifen nur dazu ermächtigte Sicherheitsorgane dürfen. Das ist in Österreich zuallererst einmal die Polizei, und dann gibt es noch einige situationsspezifische Ausnahmen, z.B. Feuerwehr bei Verkehrsunfall, Schwertransportbegleitung beim Durchlotsen von Sonderfahrzeugen, Militärstreifen (in Deutschland: Feldjäger),... De iure können die Helfer ziviler Organisationen also die Situation gemeinsam mit dem Hundeführer im Auge behalten und auskundschaften, wann ein sicheres Überqueren der Straße möglich ist. Den Verkehr anhalten dürfen wir selbst jedoch nicht.

      Ist das Suchgebiet allerdings tatsächlich verkehrsmäßig stark frequentiert, würde ein solcher Einsatz ohnehin auch unmittelbar polizeilich begleitet werden, um eine jederzeitige, vollumfängliche Sicherung des Trailerteams gewährleisten zu können.


      Wildfarben schrieb:

      Ich würde gerne noch wissen wollen was die GAK9-Ausbildung ist.
      Dabei handelt es sich um die "originale" K9-Diensthundeausbildung (älteste Trainingseinrichtung in den Vereinigten Staaten), die für militärische und polizeiliche Einsatzhunde in den USA entwickelt wurde. (Auch unser Haupttrainer bildet beispielsweise weltweit Diensthunde für Sicherheitsbehörden und Militär aus.) Das Hauptausbildungsspektrum umfasst tatsächlich Hunde für behördliche Zwecke. Der Einsatz von Mantrailern im zivilen Rettungswesen ist vergleichsweise jung. In Österreich kenne ich, neben unserer Organisation in Wien (die im Auftrag der Berufsfeuerwehr Suchhunde zum Einsatz bringt) nur noch eine Gruppe des Roten Kreuzes in Salzburg, wo es ebenfalls Mantrailing-Hunde gibt. Ansonsten sind in diesem zivilen Segment eher Trümmer-, Lawinen- und Flächenhunde etabliert.

      Der Einsatz eines Mantrailers als Rettungs-/Suchhund eignet sich vor allem dann, wenn man eine Ahnung hat, von wo aus eine Person sich wegbewegt haben könnte, und man einen Geruchsträger von ihr hat. Das kann entweder ein Kleidungsstück sein, es reicht aber sogar, wenn die betreffende Person einen Gegenstand berührt hat. Dann nimmt der Mantrailer die zielgerichtete Verfolgung der Spur auf. Er sucht dann also tatsächlich die gesuchte Zielperson, während andere Sucharten (z.B. im Flächenbereich) darauf abzielen, mehrere Hunde zum Absuchen eines Bereichs anzusetzen, die dann aber jede dort befindliche Person anzeigen (da es ja keine wirkliche Referenz zum Gesuchten gibt). Man kann diese Bereiche auch super kombinieren, etwa in sehr weitläufigen und komplexen Suchgebieten. Der Mantrailer kann etwa die Spur der gesuchten Person zunächst verfolgen (etwa Ausgangspunkt eigenes Haus - wohin lief der Abgängige?), und sobald das Suchgebiet klarer wird (etwa ein Waldstück o.ä.), können von da an Flächenhunde übernehmen.

      Im behördlichen Bereich, etwa bei Polizeihunden, ist es naheliegend, dass der Mantrailer das Nummer 1-Suchtier ist, denn da geht es ja so gut wie immer um einen ganz bestimmten Täter, der zu verfolgen ist.
      |Gerald :thumbup: | Tango :Hund-smile: |

      /Quickstep80
    • Hallo Astrid,

      Wildfarben schrieb:


      Hättest du im Einsatz jemanden bei dir der die Straße sichert? Das müsstest du schon selber entscheiden wann du den Hund mal warten lässt.
      so wie Gerald ja schon geschrieben hat, im Realeinsatz wäre natürlich die Polizei dabei, die dann die Straße sichern und dementsprechend den Verkehr ja auch abblocken würde.
      Ich war nicht im Realeinsatz, deswegen dürfen wir das ja nicht, wir üben das ja "nur" hobbymäßig aus. Das heißt ja aber nicht, dass ich mich oder meinen Hund einer Gefahr aussetzen will, deswegen haben wir immer mit 1-2 Hilfspersonen gearbeitet, die mit dem Hundeführer mitlaufen und die Umgebung im Auge behalten. Einer hat immer nach hinten gesichert und einer nach vorne. Könnte ja auch sein, ich laufe mitten auf der Straße weil da mein Hund läuft, und von hinten kommt ein Auto, das sollte mir dann schon jemand sagen ;) .
      Wenn ich traile, dann nehme ich keine Sekunde meine Augen vom Hund. Ich würde also überhaupt nicht mitbekommen, wenn irgendwo ein Auto kommt, mir Passanten quert oder ich auf ne Einfahrt zusteuere.

      Da hilft mir mein Begleiter, wenn der sieht, dass eine Kreuzung voraus ist zum Beispiel, dann überholt der mich, und schaut in die Kreuzung ob was kommt. Die Hunde sind das gewöhnt auch mal vom Helfer überholt zu werden und werden auch nicht irritiert dadurch. Und wenn mir die Hilfsperson sagt, dass da grad Autos kommen dann nehme ich noch einige Meter VOR der Kreuzung den Hund aus dem Trail raus und warte, bis mir der Helfer sagt, dass die Kreuzung jetzt frei ist, und erst dann schicke ich sie rein. Würde ich selber bis zur Kreuzung oder Einfahrt oder so laufen, dann Easy oder Pepper rausnehmen, sie überholen oder neben ihr stehen und brav "links-rechts-links" schauen, wie soll ich sie dann wieder losschicken, ich hab ja dann alle körpersprachlichen Signale "vor" der Kreuzung komplett verpasst.

      Ich traile im Moment ja bei jemand anderem, da sind wir nur in sehr verkehrsarmen Wohngebieten unterwegs oder eben im Gelände, da spielt das keine große Rolle ob mit oder ohne Helfer. Aber als wir damals regelmäßig durch sehr belebte Städte getrailt sind, teilweise auch mitten durch die Straßencafes und Innenstädte, da braucht man einfach Helfer die die Umgebung im Auge haben, weil ich hab das nicht wenn ich traile.

      Hier zum Beispiel sieht man meine Helferin, die mich überholt hat und mir das "Go" gegeben hat, dass ich Pepper in die Straße schicken kann weil frei ist, bei dem Bild lasse ich grad die Leine wieder raus nachdem ich sie am Halsband gestoppt hatte.


      Wildfarben schrieb:


      Und wenn sich Pepper alleine fühlt wenn die Leine nicht straff ist - das verstehe ich nicht. SIE macht den Job, niemand kann es besser als sie.
      Natürlich hat Pepper die viel bessere Nase und macht den Job, ich könnte das ja niemals. ICH weiß das, DU weißt das, JEDER hier weiß das - aber Pepper weiß das leider nicht :D

      Bei ihr ist es tatsächlich so, wenn die Leine locker hängt, dann fühlt sie sich alleine und wird unsicher. Sie ist einfach ein sehr unsicherer Hund, der sich auch schlecht gegen mich durchsetzt beim Trailen, leider.

      Wenn sie zum Beispiel in einer Kreuzung eine Abbiegung abcheckt und da reinläuft, und ich übersehe ihr Signal, dass es da eigentlich nicht weiter geht und sie leicht quer kommt oder kurz den Kopf hochnimmt, wenn ich mich selbst dann nicht eindrehe und ihr den Weg freimache zum wieder Rausdrehen, dann würde sie einfach weiterlaufen. Wenn ich sowas übersehe und einfach im gleichen Tempo hinter ihr her latsche, dann läuft sie weiter. Sie würde dann irgendwann anfangen zu eiern, manchmal bleibt sie dann auch stehen und winselt leise, aber wenn ich Depp hinter ihr sie blockiere läuft sie nicht gegen mich.

      Easy ist da ganz anders, die läuft mich zur Not auch über den Haufen wenn ich blöd in der Gegend rumstehe, der ist es auch relativ Wurscht ob auf der Leine Spannung ist oder nicht, die macht ihren Job, Pepper aber braucht das Gefühlt stetigen Kontakt zu mir zu haben, deswegen ist bei ihr leichte Leinenspannung wichtig.

      Bei Pepper bekomme ich auch von der Trainerin immer wieder den Hinweis wenn ich auf grün laufe, damit ich sie bestärken und loben kann, was für ein toller Hund sie ist und das alles richtig ist so. Wäre natürlich für Einsatz oder Prüfung oder so total blöd wenn man als Hundeführer Feedback bekommt ob´s richtig ist oder nicht, aber wir trailen ja zum Spaß, da ist mir das egal. Kleines Sensibelchen halt, meine Schwarze :love:
      Viele Grüße von Heike und den Mädels
    • Ist das eine Biothane-Leine? Ich weiß, eine Handvoll Hundeführer (vor allem ein paar unserer Freizeit-Trailer) verwenden auch Leinen aus diesem Material. Ich persönlich mag das gar nicht, sondern bin ein Verfechter echter Lederleinen. Ich hab beides ausprobiert - die Kunststoffleine ist für meinen Geschmack viel zu steif und unflexibel, wohingegen die Lederleine nicht nur viel geschmeidiger für mich in der Hand zu führen ist, sondern auch der Hund bei weitem keine so heftigen Rucks erhält wie bei Kunststoffprodukten.

      Wie ist deine Erfahrung?
      |Gerald :thumbup: | Tango :Hund-smile: |

      /Quickstep80
    • Ja, das ist eine Biothane-Leine. Ich hab ne Weile danach im Internet gesucht, sie ist nämlich recht leicht und schmal, anders als die, die ich davor im Handel so gefunden habe, ich glaub nur 0,8 mm breit und relativ dünn. Dementsprechend auch nicht so sperrig, schon gar nicht nach vielen Jahren im Gebrauch, das macht sogar ne Biothane-Leine geschmeidig :D . Und bei Hunden mit 16 bzw. 18 Kilogramm geht so ne dünne leichte Leine echt gut.

      Aber ich geb dir Recht, bei Nässe taugt die gar nix, da flutscht die einem durch die Finger und es gibt tatsächlich immer einen unangenehmen Ruck für den Hund, da nutze ich dann eine gummierte Leine als Alternative.

      Ich glaube dir, dass eine Leder-Leine sich auch gut eignet, aber ich vermeide tierische Produkte (also auch Leder) soweit es geht wenn es eine Alternative gibt ;) .
      Viele Grüße von Heike und den Mädels
    • Easy schrieb:



      Aber ich geb dir Recht, bei Nässe taugt die gar nix, da flutscht die einem durch die Finger
      Das stimmt leider, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Ich nehme deswegen beim Trailen solche "halben" Fahrradhandschuhe, in denen die Finger frei bleiben, die Leine aber mehr Halt hat.

      Es soll jetzt "Biothane-Grip"-Leinen geben, aber Erfahrungsberichte darüber kenne ich noch nicht.

      Die Biothane-Leine nimmt eben kein Wasser auf und wird dadurch auch nicht schwerer, und sie ist unglaublich leicht zu reinigen - einmal durch den Wassereimer gezogen oder in der Waschmaschine gewaschen. Hat eben alles Vor- und Nachteile.
    • Hallo Gerald!

      Quickstep schrieb:

      Würde man denselben Druck mit bloßen Händen versuchen, ----- ... Okay, ich hab das zu Anfang versucht, und mir sehr schnell abgewöhnt.
      Entschuldigung, doch ich weiß aus eigener Erfahrung leider ganz genau was du meinst und musste gerade herzhaft lachen... :haumichweg: :haumichweg: :haumichweg: Das Wort "Autsch" trifft es nicht mal ansatzweise... :whistling: :D :D :D

      Liebe Grüße,
      Wulf und Dumbledore
      und Merlin und Hexe und Bessy
    • JaNu schrieb:

      Vergiss nicht uns Bilder mitzubringen
      "Das Wort zum Sonntag"... :D

      Heute hatten wir einen wirklich winterlichen Trainingstag in sehr abwechslungsreicher Umgebung - Gebäude, Freiflächen, Asphalt, Wiese, Stein,... alles inmitten eines Industriegebiets. Den Tipp hatten wir von einer Polizeihundeführerin bekommen, deren Staffel ebenfalls in dieser Gegend trainiert. Auch wir haben eine Genehmigung erhalten. Es ist ein wirklich toller Ort für sehr vielseitiges und abwechslungsreiches Training, bei dem man auch auf die jeweiligen Erfordernisse einzelner Hunde perfekt eingehen kann. In meinem Team waren heute noch ein Pudel (einer unserer absoluten Master Trailer... der Hund arbeitet mit einer Ruhe und Konzentration, das ist unglaublich!) sowie ein Vizsla.

      Mein Hund musste sich heute in wechselnder Umgebung beweisen, also Suchbeginn in verbautem Gebiet, mit einer Fährte über anschließend weite, freie Flächen, bei windigen Verhältnissen und Schneefall. Man sollte meinen, dass man als Hundeführer durch die Fußspuren im Schnee eine Ahnung bekommt, wo sich die Zielperson befindet - weit gefehlt, denn die weiße Pracht rieselte teils so dicht herab, dass binnen allerkürzester Zeit kein einziger Abdruck mehr zu sehen war, als der Suchhund angesetzt wurde. Auch eine Handvoll anderer Spaziergänger, teils auch mit Hunden, waren unterwegs, sodass auch ein gewisses Level an Verleitung gegeben war. Tolles Trailing-Setting also.

      Im Anschluss gab es für Tango dann noch ausgiebiges Herumtollen, bevor wir bei Freunden zum Mittagessen eingeladen waren. Und jetzt liegt der Labbi völlig k.o. im Energiesparmodus herum. ;)
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      |Gerald :thumbup: | Tango :Hund-smile: |

      /Quickstep80
    • Diese Woche hatten Tango und ich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen intensives Training. Am Mittwoch verschlug es uns in eine Gegend am Stadtrand, teils bewaldetes Gebiet, teils freie Flächen. Hier mussten die Hunde vor allem auch damit umgehen lernen, dass es laufenden Wildwechsel gibt. Sechs Rehe stellten sich bereitwillig zur Verfügung ;) "Dank" der Plusgrade war der Niederschlag diesmal durch und durch nass, was mich einmal mehr zur freudigen Feststellung geführt hat, dass man beim dunkelbraunen Labbi den Schmutz im Fell initial weit weniger wahrnimmt als bei vielen anderen Hunden. :D

      Gestern dann fand unser Training am Gelände des Heeresgeschichtlichen Museums statt. Hier erwarten die Teams wechselnder Untergrund (Asphalt, Wiese) sowie unterschiedliche Umgebung (Gebäude, Autos, freie Flächen, Spaziergänger, andere Hunde) - siehe Luftaufnahme von "Google Maps". Wind sorgte für zusätzliche Herausforderung, was Tango allerdings nur mäßig zu beeindrucken vermochte. ;)

      Ich bin schon gespannt, welche Gegenden wir nächste Woche so auf den Kopf stellen werden.
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      |Gerald :thumbup: | Tango :Hund-smile: |

      /Quickstep80
    • Hallo Gerald,
      danke für den Bericht! Mit der Ablenkung durch Rehe-Komparsen hätten wohl einige andere Hunde durchaus Probleme gehabt :D .

      Nur mal aus Interesse: wie verbindest du Job und Mantrailing (zweimal die Woche bzw. an 2 aufeinanderfolgenden Tagen)? Oder gehört die Menschensuche zu deinem Job im medizinischen Bereich?
      Liebe Grüße
      Astrid (zum Glück überhaupt nicht neugierig :) :P :D :D :D :D )