Leute anbellen und Jagdtrieb

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    • Leute anbellen und Jagdtrieb

      Hallo,

      Ich hab tatsächlich ein zwei Fragen wo ich hoffe den ein oder anderen Tipp zu bekomme. Zum einen ist es so das wen uns Unterwegs jemand begegnet, egal ob zu fuß oder auf dem Rad die Maus immer meint die verbellen zu müssen. Sie lässt sich da auch nicht wirklich davon abbringen bis die weit genug weg sind. Das ist natürlich anstrengend. Bisher versuch ich es halt immer wieder sie zum Beispiel zum Sitz zu bewegen um sie etwas abzulenken, aber so richtig klappt das auch nicht. Sie macht das auch zu Hause wen jemand am Hof vorbei geht, gut zu Hause ist es ja ok wen sie Fremde meldet. Nur lässt sie sich eben kaum davon wieder abbringen.
      Ich weis noch von ihrer Vorgängerin da hat das auf dem Hof super geklappt wen ich sie dann einfach zu mir hergerufen und damit quasi aus der Situation geholt hab, die war eine furchtbare Kläffe :rolleyes: .

      Das anderer Problem ist das gerne anderen Tieren nach Jagt, seis daheim die Katze oder ein Huhn- es ist für sie definitiv nur ein Spiel. Gloria zeigt da auch gerne mal diese typische Spielaufforderungshaltung mit Oberkörper nach unten wen das Tier gegenüber grade keine Lust hat weg zu laufen. Oder sie zupft es leicht am Fell um es zum spielen zu bewegen. Aber sie jagt halt auch Rehen hinter her. Wir haben hier rundherum auch Wald, da kann es schon mal passieren das sie einfach mal weg ist weil irgendwo eins Gesichtet worden ist. Wir leben auf einem Bauernhof, da gibt es keine Zäune-außer im Sommer für die Kühe 8) .
      Ist aber wirklich schon die absolute Ausnahme das sie alleine den Hof verlässt, eher das sie mal wieder mit dem Traktor mit aufs Feld läuft und dann einen Ausflug macht oder so. Unterwegs ist das ein weit größeres Problem. Freilauf trau ich mich nicht so recht, nur Schlepp. Üben tu ich es aber trotzdem immer mal kurze Strecken und wir hatten auch schon erste erfolge das ich sie davon abhalten konnte dem Reh nach zu laufen. Oder sie neulich trotz Reh abrufen konnte. Das klappt aber auch nur solange Sichtkontakt besteht. Wen sie irgendwo im Wald verschwindet ist sie taub, da kommt sie wann immer es ihr dann passt. Das sie frei läuft im Wald ist halt wen Schwiegis sie mitnehmen am meisten- denen ist das egal. Die meinen nur gibt eh zu viele, die darf sie ruhig ein bisschen stauben.
      Und das ist das größte Problem, Gloria gehört der Schwiegermutti daher kann ich auch nicht sagen "du machst das nicht". Ich kann mich nur bemühen Gloria so gut wie möglich zu erziehen.

      Zumindest hört sie bei mir wesentlich besser als bei ihr, - bin ich schon etwas stolz auf mich :D
      "Was heißt 'zähmen'?", fragte der kleine Prinz. "Das ist eine in Vergessenheit geratene Sache", sagte der Fuchs. "Es bedeutet: sich 'vertraut machen'."
      (Antoine de Saint-Exupéry)
    • Aus meiner Sicht sind das beides Verhaltensweisen, die man nicht von heute auf morgen abtrainieren kann.

      Bezüglich des Leute-Verbellens:
      Ich habe grundsätzlich gute Erfahrungen mit "Click-für-Blick" gemacht. Kennst du die Arbeit mit dem Clicker bzw. kennt Gloria den Clicker? (Falls nicht, sag Bescheid, dann erkläre ich das noch genauer. In Kurzform ist der Click ein punktgenaues akustisches Signal, das dem Hund sagt: "Genau das, was du in dieser Sekunde tust, ist richtig und genau dafür wirst du jetzt belohnt.") Zunächst einmal muss Gloria auf den Clicker (oder ein spezielles Markerwort) konditioniert sein, also wissen, was das Geräusch/das Wort bedeutet. Und dann geht ihr Leute gucken. ^^ Am besten erst mal aus großer Distanz. Ihr sucht euch also einen Ort, von wo ihr aus ziemlich großem Abstand Personen beobachten könnt. Immer, wenn Gloria hinschaut, aber (noch) nicht bellt, gibt's einen Click und ein Stückchen Futter. Das würde ich sehr häufig, aber immer nur in kurzen Einheiten machen. Einmal bis mehrmals täglich, aber (anfangs) immer nur fünf bis zehn Minuten am Stück.
      Was das Wachen auf dem Hof angeht: Das ist aus meiner Sicht noch mal ein bisschen was anderes, weil hier sicher Territorialverhalten mit hineinspielt. (Sollte sie tatsächlich ein halber Aussie sein, wäre das übrigens sehr rassetypisch. ;) ) Bei einem territorial motivierten Hund muss man, zusätzlich zum "Click-für-Blick"-Training, schauen, ob man nicht die Rituale zuhause ändern muss. Es kann sein, dass sie, wenn sie frei auf dem ganzen Hof herumlaufen darf, das Gefühl hat, dass ihr die Rolle des "Türstehers" und "Wachpostens" für sie vorgesehen habt. Sie tut dann also genau das, von dem sie meint, dass ihr es von ihr erwartet. Bei einem solchen Hund hilft es oft, ihn räumlich zu begrenzen und ihm einen Ort zuzuweisen, der weit von der Hofeinfahrt bzw. von der Haustür entfernt ist. Das kann schon helfen, um dem Hund das Gefühl zu geben: "Du bist für potentielle "Eindringlinge" nicht zuständig."

      Zum Jagen:
      Das ist, würde ich sagen, fast ein noch komplexeres Thema als das Leute-Anbellen/Wachen. Zunächst einmal halte ich es für enorm wichtig, dass sie möglichst selten unkontrolliert jagen gehen kann. Das wäre für mich noch ein Grund mehr, dass sie nicht mehr unbeaufsichtigt und frei auf dem Hof herumläuft. Beim Hetzen wird im Hundkörper ein Hormoncocktail ausgeschüttet, der den Hund in einen süchtig machenden Rauschzustand versetzt. Die Folge: Der Hund will diesen "Kick" immer wieder haben. Je öfter sie abzischt, desto stärker wird bei ihr der Drang, das wieder und wieder tun zu wollen. Deshalb: Hund kontrollieren! Schlepp beim Spaziergang ist gut, aber auch Kontrolle auf dem Hof finde ich wichtig.
      Ansonsten besteht Antijagdtraining aus vielen kleinen Puzzlesteinen. Ein sicherer Rückruf gehört natürlich dazu; den übe ich mit meinem jagdtriebigen Hund sehr, sehr häufig auch in "langweiligen" Situationen und belohne ihn hochwertig und actionreich. Außerdem trainiere ich Selbstbeherrschung am Wild. Wild anschauen und dabei stehen bleiben(!) wird belohnt - das ist im Prinzip auch so eine Art "Click für Blick". Wichtig ist hierbei, die Erregung im Zaum zu halten, also hier nicht actionreich, sondern ruhig belohnen. Bei meinem Hund haben sich kleine, auf den Boden gestreute Futterstückchen bewährt, die erschnüffelt und aufgesammelt werden dürfen.
      Zusätzlich zu diesem Training ist es notwendig, dass der Hund seine Jagdleidenschaft kontrolliert in vom Menschen gemachten Settings ausleben kann. Wenn ich z. B. meinen Hund von Wild abrufe, belohne ich gerne mit einem Futterdummy, der an einer Schnur befestigt ist. Den bewege ich dann an der Schnur und der Hund darf ihn hetzen. Hat der Hund den Dummy "erbeutet", gibt es ihn mir, ich öffne ihm und lasse ihn entweder darauf fressen oder verstreue auch hier Leckerchen auf dem Boden. So imitiert man auch das Beute-Auffressen und gleichzeitig wird beim Fressen die Erregung, die beim Hetzen entstanden ist, heruntergefahren und der Hund beruhigt sich. Daneben bieten sich Jagdersatzbeschäftigungen wie Fährten, Mantrailing, Dummyarbeit etc. an, damit der Hund unabhängig von Wildsichtungen regelmäßig seine Lieblingsbeschäftigung kontrolliert ausleben darf. Welches Hobby man wählt, hängt dabei von den Vorlieben des Hundes ab. Wenn Gloria Spaß am Apportieren hat, könnte z. B. Dummytraining für sie geeignet sein, wenn sie nicht gerne apportiert, vielleicht eher Fährten.

      So, das waren erst mal ein paar Ideen in Kurzform. Beide Themen sind wie gesagt super umfangreich und komplex, sodass man sie nicht mal eben in einen Post packen kann. Aber vielleicht hilft die das eine oder andere schon weiter. Ansonsten einfach nachhaken. :)

      Liebe Grüße
      Amica
      Although I keep my social distance, what this world needs is a hug.
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      So love yourself and love your family, love your neighbor and your friend.
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      Jon Bon Jovi
    • Mit dem Jagen ist halt das Thema, dass man - wenns dumm läuft - euch da einen Strick draus drehen kann wegen Jagdwilderei. Kann ganz dumm werden. Vielleicht so als Info für die Schwiegies, ich weiß ja nicht ob jemand da eine Jagd gepachtet hat in dem Wald und so, aber das kann eben rechtlicht konsequenzen haben (oder schlimmer) auch wenn der Hund "nur" hetzt und nix fängt! Das ist an und für auch auch Tierschutzrelevant, denn Hetzjagdten sind in D nicht ohne Grund verboten.
      Wir müssen ja so wie so denken. Warum dann nicht gleich positiv?
    • Zu dem Jagdtrieb: Es wird umso schwieriger, dass dein Hund bei Wild kontrollierbar ist je häufiger sie den Adrenalinkick beim hetzen bekommt. Jagdtrieb ist, aus meiner Sicht, am schwierigsten zu trainieren so dass der Hund auch abrufbar ist wenn das Wild in kurzer Entfernung den Weg kreuzt. Und jeder Jagderfolg wirft dich wieder zurück.
      Liebe Grüße von meiner "Männer-WG" und Selina

      Die Reise des Lebens in der Gesellschaft von Hunden ist wie eine Reise mit Engeln, Führern, Hütern, Hofnarren, Schatten und Spiegeln.
      Suzanne Clothier
    • Clicker hab ich tatsächlich zu Hause, haben wir aber bisher noch nicht benutzt. Klingt aber interessant mit dem Click für Blick. Leute schauen ist gut- wir sind in der Einschicht, wen nicht grade Sonntags Spaziergänger unterwegs sind ist außer Nachbars nichts los bzw kaum was los. Da muss ich mal gucken ob mir was einfällt. Wir sind lange eigentlich auch nur im Wald oder auf der Wiese spatzieren gewesen, erst die letzte Zeit geh ich auch öfter mal auf der Straße mit ihr. Jetzt ist das auch so eine Situation die wir nicht so oft erleben.
      Eine Hundepfeife hab ich auch, die Nutz ich für den Rückruf. Bzw wollte ich die eigentlich als Notsignal eben wens mal mit ihr durchgeht.

      Und ja, wir haben hier einen Jäger. Aber irgendwie hab ich hier eine Gegend erwischt wo sich keiner für irgendwas interessiert. Mag auch positiv sein in manchen Dingen, aber da ohne böse sein zu wollen halt grad nicht. Meine Schwiegi ist auch ein recht eigener Fall, sie tut prinzipiell nur was für sie richtig ist. Was andere sagen, und ist es das Gesetz, ist ihr schnuppe. Naja ist ihr Leben. Wie gesagt unser Jäger scheint da auch kein Problem mit streunenden Hunden zu haben- unsere Gloria ist da definitiv nicht die einzige. Hat man gesehen als sie das erste mal läufig war :rolleyes: . Laut meinen Freund gabs hier auch schon mal ein Rudel wildernder Hunde. Der Herr Jäger hat sie halt immer mal eingesammelt und heim gebracht- fertig. Verrückte Welt.

      Aber erst mal danke für die Tipps, werd ich auf jeden Fall mal damit beschäftigen :thumbup:
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    • abigail89 schrieb:

      Leute schauen ist gut- wir sind in der Einschicht, wen nicht grade Sonntags Spaziergänger unterwegs sind ist außer Nachbars nichts los bzw kaum was los. Da muss ich mal gucken ob mir was einfällt. Wir sind lange eigentlich auch nur im Wald oder auf der Wiese spatzieren gewesen, erst die letzte Zeit geh ich auch öfter mal auf der Straße mit ihr.
      Und genau das wird der Grund für ihr Verhalten sein - sie ist es schlicht nicht gewohnt, so viele fremde Leute um sich zu haben. Umso wichtiger ist, dass ihr ab jetzt regelmäßig belebtere Orte mit ihr aufsucht und diese Situationen (zunächst wie gesagt auf Distanz) trainiert.

      Solche problematischen Verhaltensweisen ergeben sich (neben einer rassebdeingten oder individuellen genetischen Veranlagung) sehr häufig daraus, dass der Hund bestimmte Situationen einfach nicht ausgiebig genug kennengelernt hat. Wäre sie in städtischem Gebiet aufgewachsen, wären Spaziergänger, Radfahrer und Co. für sie vermutlich kein großes Problem. Dafür hätte sie dann aber vielleicht Angst vor Kühen. ^^
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    • Also, zum Thema Jagdtrieb, da denke ich, solange der Hund die Möglichkeit hat, immer mal wieder zu hetzen, wird es kaum möglich sein, ihr das Verhalten abzugewöhnen. Wenn sie ohnehin der Schwiegermutter gehört, kannst du doch auf deinen Spaziergängen mit Gloria die lange Leine dran lassen. Üben kannst du ja trotzdem Ansprechbarkeit, Radius und Abruf, aber ich würde eben immer im Hinterkopf behalten, dass sie aufgrund dieser "Jagderfolge", solange sie weiterhin die Möglichkeit für diesen extremen Adrenalinkick hat, nie ein Hund sein wird, der zuverlässig leinenlos unterwegs sein kann, ohne abzuhauen.


      Klingt jetzt vielleicht "böser", als es gemeint ist. Mir ist es wie wahrscheinlich vielen Hundehaltern auch schon passiert, dass mein Rex einem Reh bzw. neulich auch Hasen nachgejagt ist, als ich im Freilauf nicht aufmerksam genug war. Rex ist nämlich auch kein Hund, der immer und überall frei laufen kann. Jagdverhalten ist halt einfach extrem tief in Hunden verankert, darum ist das Training ja auch so eine langwierige Angelegenheit. Und eben selbst Hunde, die nie oder nur in absoluten Ausnahmefällen mal zB nen Vogel aufscheuchen, müssen unter Umständen ihr Leben lang überwiegend an der Leine laufen.

      Von daher denke ich, es ist wichtig, von Anfsng an keine unrealistischen Erwartungen zu haben, um dem Hund gegenüber fair zu bleiben ^^
      ♡-liche Grüße von Lina, Chihuahua Rex und Yorkie Jasmin
    • Amica schrieb:

      abigail89 schrieb:

      Leute schauen ist gut- wir sind in der Einschicht, wen nicht grade Sonntags Spaziergänger unterwegs sind ist außer Nachbars nichts los bzw kaum was los. Da muss ich mal gucken ob mir was einfällt. Wir sind lange eigentlich auch nur im Wald oder auf der Wiese spatzieren gewesen, erst die letzte Zeit geh ich auch öfter mal auf der Straße mit ihr.
      Und genau das wird der Grund für ihr Verhalten sein - sie ist es schlicht nicht gewohnt, so viele fremde Leute um sich zu haben. Umso wichtiger ist, dass ihr ab jetzt regelmäßig belebtere Orte mit ihr aufsucht und diese Situationen (zunächst wie gesagt auf Distanz) trainiert.
      Solche problematischen Verhaltensweisen ergeben sich (neben einer rassebdeingten oder individuellen genetischen Veranlagung) sehr häufig daraus, dass der Hund bestimmte Situationen einfach nicht ausgiebig genug kennengelernt hat. Wäre sie in städtischem Gebiet aufgewachsen, wären Spaziergänger, Radfahrer und Co. für sie vermutlich kein großes Problem. Dafür hätte sie dann aber vielleicht Angst vor Kühen. ^^
      Hab ich tatsächlich auch ein wenig so vermutet das ich nicht ganz unschuldig daran bin. Dann schau ich mal wie ich das am besten mit ihr üben kann.

      @tinybutmighty: Ja, da ist wohl was drann. Ist jetzt auch nicht so schlimm, Gloria ist auch so eine angenehme Begleiterin unterwegs. Aber ich geb mir mühe weiter hin mit ihr zu üben. Wie du sagst, halt mit der Schlepp. Was ich auch schon manchmal gemacht habe mit der normalen Leine, das ich sie einfach mal hab fallen lassen und ein paar Meter weiter wieder eingesammelt habe.
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